Wer, Wie, Was, Wo, Warum?? – Die Nixe fragt Sara Metz [Blogger-Adventskalender 2.0]

Die Nixe fragt Sara Metz

Hallo ihr Lieben!

Weiter geht’s an meinem Adventskalender mit einem Interview mit Sara Metz, der Autorin von „Savior Agency – The Knight of Time“.

Hallo Sara 🙂

Danke, dass du dir die Zeit für mein Interview nimmst! ❤
Ich habe mir zehn Fragen für Dich zu Dir und Savior Agency überlegt. Ich wünsche Dir viel Spaß mit meinen Fragen und bin schon auf deine Antworten gespannt.

1) Was war Dein tollstes „buchiges“ Erlebnis?
Dir auch ein herzliches Hallo, liebe Nixe!
Buchige Erlebnisse hatte ich schon viele und die meisten davon waren auch sehr toll. Da gibt es natürlich die Momente beim Lesen der besten Bücher, die man von ganzem Herzen liebt, aber auch die Momente, in denen man andere Bücherwürmer im echten Leben oder Online trifft und sich austauscht, was ich auch unter „buchiges Erlebnis“ zählen würde.
Dazu zählt natürlich auch die Buchmesse, dort habe ich schon so viele liebe Leser, Blogger und andere Autoren getroffen und dieses Jahr stand sogar mein neuester Roman „Nightmare“ auf der Buchmesse, was mich richtig umgehauen hat.
Umschlag_Skuldu_Nachdruck.inddDie Lesemomente, die ich als buchige Erlebnisse empfinde, kommen sehr häufig vor, aber mir ist sofort eines in den Sinn gekommen: beim Lesen der „Skulduggery Pleasant“-Reihe, vor allem Band acht, bin ich manchmal nachts aufgewacht und musste weiterlesen oder mir ist eine unerwartete Wendung wieder eingefallen, die ich am Abend zuvor gelesen hatte. Das hat mich dann so gepackt, dass ich nachts in meinem Bett saß und total verzweifelt war, weil diese Bücher so mitreißend sind.
Da gab es auch ein schönes Erlebnis im echten Leben, denn ich war 2015 auf einer Skulduggery-Party nach der Buchmesse in Frankfurt. Da haben sich sehr viele Fans eingefunden, teilweise auch in Kostümen, dabei waren auch Autor und Hörbuchsprecher, wir haben alle zusammen Spiele gespielt, Airbrush-Tattoos bekommen und uns über die Bücher ausgetauscht. Es war wunderschön.

2) Erzähl uns was zu Deinen ersten Schreibversuchen.
Meine ersten Schreibversuche begannen bereits, als ich erst sieben Jahre alt war. Schreiben konnte ich da zwar nur ein bisschen, aber alles Fehlende habe ich mit Bildern ausgeglichen, die dann unter den Text kamen. Auf die Art und Weise entstand sogar eine ganze Reihe von Bilderbüchern. Diese Bücher nannte ich „Hundi-Bücher“, da es darin um einen Shiba Inu namens Hundi ging, der mit seinen tierischen Freunden allerlei Abenteuer erlebt hat. Natürlich waren die Ideen immer ein bisschen abgeguckt von Kinderbüchern, die ich zu dieser Zeit gern gelesen habe, aber das kann man meinem siebenjährigen Ich schließlich nicht vorwerfen. Ein paar dieser Hefte besitze ich jetzt noch und finde sie hin und wieder, wenn ich aufräume. Immer wieder ein schönes Erlebnis.
13418557_1127773860645927_1406448644601270107_oMein erstes richtiges Buch schrieb ich im Alter von zehn Jahren. Es war etwa 30.000 Wörter lang und eine Geschichte über zwei Königreiche, die sich zusammenschließen müssen, um eine verschwundene Prinzessin zu finden. Man merkt vielleicht, dass sich mein Geschmack stark verändert hat. Mit diesen ersten Schreibversuchen habe ich tatsächlich nichts gemacht, außer sie aufzuheben. Es sind, wie gesagt, nur Versuche.
Mein Debüt „A Hero’s Soul“ schrieb ich, als ich vierzehn war. Das kann man sogar kaufen und lesen, wenn man auf schräge Urban Fantasy steht.

3) Hast Du ein Vorbild? Wenn ja, wer und warum?
Für ethische und moralische Fragen oder im Leben generell habe ich tatsächlich kein Vorbild. Meine Maßstäbe hole ich mir von überall, auch aus Kleinigkeiten. Im schreiberischen Sinne habe ich, je nach dem Genre, das ich gerade schreibe, mehrere Vorbilder. Wenn ich gerade eine verrückte Fantasy-Geschichte mit schlechten Witzen und einer Gefühlsachterbahn schreibe, rutsche ich gern mal in den Derek-Landy-Schreibstil ab. Das mache ich ganz unbewusst und mir ist es auch erst aufgefallen, als mich eine Freundin darauf angesprochen hat. Getroffen habe ich ihn auch auf seiner Skulduggery-Party, ein super sympathischer Mann mit meinem exakten Sinn für Humor. Ich liebe seinen dynamischen Schreibstil, seine Witze, aber auch seine herzzerreißenden Szenen. Diese Mischung aus Lachen und Weinen strebe ich mit meinen Geschichten auch an. Im Genre Thriller, in das ich mittlerweile auch abgedriftet bin, versuche ich mich am Schreibstil von Ethan Cross. Dieser ist ebenfalls sehr dynamisch. Weniger abgedreht und verrückt, das würde nicht ins Genre passen, sondern auf die ganz eigene Art und Weise schlicht, aber gleichzeitig auch aufregend. Für alle anderen schrägen Genremixes, an die ich mich so wage, habe ich kein Vorbild. Auch bei Savior Agency habe ich mich einfach ins Chaos gestürzt.

 

4) Nach welchem Schema schreibst Du Deine Bücher? Hältst Du Dich genau an einen Plot (machst Du so etwas überhaupt) oder schreibst Du frei nach Eingebung?
Ein bisschen Plot ist meiner Meinung nach immer nötig, allerdings bleibt es auch bei ein bisschen. Mir kommt eine Idee für eine Geschichte und mehrere Ideen für Szenen vom Anfang, von mittendrin und vielleicht sogar schon vom Ende. Dann, nach und nach, kommen mir immer mehr Ideen für Szenen und nach und nach puzzelt sich das dann so zusammen. Das kann auch erst passieren, nachdem ich schon mit dem Schreiben begonnen habe. Diese Szenen sind aber auch nur grob, außerdem sind zwischen ihnen viele Lücken. Diese fülle ich dann frei nach Eingebung und tippe drauf los. Dabei sind mir schon richtig gute Ideen gekommen und ich glaube, damit meine perfekte Taktik gefunden zu haben. Oft schreibe ich meiner Schreibfreundin ganz plötzlich, ob beim Mittagessen oder mitten in der Nacht, plötzlich eine Nachricht – „Ich habe eine Idee für eine Szene!“ – diese Ideen sind aber oft auch gar nicht plotrelevant, sondern finden nur auf rein zwischenmenschlicher Ebene statt, die für die Charakterentwicklung wichtig ist. Manchmal weiß ich nicht, wie meine Geschichte ausgehen soll, aber dann kommt mir beim Schreiben die zündende Idee und plötzlich merke ich, dass sich alles wie von Zauberhand zusammenfügt und tatsächlich noch mehr Sinn ergibt, als zunächst von mir geplant. Da muss sich mein Unterbewusstsein viele Gedanken drüber gemacht haben.

5) Welcher Deiner eigenen Buchcharaktere war richtig anstrengend und warum?
Eigentlich waren sehr viele Buchcharaktere schon extrem anstrengend und manchmal sitze ich da und weiß nicht, was die Idioten im Manuskript da eigentlich gerade machen. Dann reißen sie sich oft sogar vom eben erwähnten groben Plot los und tun, was sie wollen. Dafür kann ich gar nichts! Alle Schreiber kennen das. Bei dieser Frage, ob es einen gab, der wirklich heraus gestochen ist und mir den letzten Nerv geraubt hat, ist mir aber sofort ein ganz bestimmter Kerl in den Sinn gekommen: Santano aus meinem Roman „Fabel-Haft“ (ich weiß noch nicht, ob es der endgültige Titel sein wird, aber behalten würde ich ihn gern). Das ist ein Thriller über ein paar ganz unterschiedliche Kriminelle, die von einem Unbekannten erpresst werden, Geiseln in einer Bank zu nehmen. Dabei tragen sie verschiedene Tiermasken. Santano ist der Wolf und es passt einfach perfekt zu ihm. Noch nie habe ich einen so ekelhaften, gemeinen, hinterhältigen und aggressiven Typen geschrieben. Beim Schreiben habe ich mir die Haare so oft gerauft, dass ich mich frage, wie ich überhaupt noch welche haben kann. Mein Hass dieser Figur gegenüber ist unbeschreiblich. Der Kerl hat gemacht, was er gerade so wollte und im echten Leben würde ich mich so einer Person nicht auf 200 Meter nähern. Und das schlimmste von allem: Genau deswegen ist er meine Lieblingsfigur! Es hat einen riesigen Spaß gemacht, ihn zu schreiben, gerade weil es so anstrengend mit ihm war und ich ihn einfach nicht ausstehen kann. Jederzeit wieder! Die Psychos liegen mir.

6) In „Savior Agency“ geht es hauptsächlich um Zeitreisen. Was hat Dich daran besonders gereizt einen Zeitreise-Roman zu schreiben?

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(c) Sara Metz

Ich bin jetzt nicht eines Tages aufgewacht und habe gedacht: „Hmmm, heute schreibe ich einen Zeitreise-Roman!“ Bei mir kommt nicht die Idee für ein Genre, auf das ich gerade so Lust habe, sondern eine Idee für eine Geschichte. Das Genre ist rein zufällig. Bei Savior Agency habe ich einfach so Musik gehört und plötzlich stand die Frage in meinem Kopf: „Was wäre wenn?“ Daraus wurden dann weitere Fragen. Was wäre, wenn man Dinge, die bereits geschehen sind, verändern könnte? Was wäre, wenn man das auf Verlust bezieht? Und daraus resultierte dann die letzte Frage: Was wären, wenn man verlorene Menschen durch Zeitreisen wieder zurückholen kann? Die Gesichter dieser Geschichte, Josh und Hektor, waren fast sofort da. Vor allem Hektor war schon von Anfang an der, der er auch in der Geschichte ist. Für mich kam gar nicht infrage, dass er eine andere Persönlichkeit hat oder andere Beschäftigungen, ein anderes Aussehen oder andere Einstellungen. Seine Persönlichkeit passt sich an das Zeitreise-Thema an, denn die Frage „Was wäre wenn?“ stellt er sich ebenfalls jeden Tag. Die Art, wie die Agenten durch die Zeit reisen, habe ich individuell gestaltet. Es ist eine ganz eigene Methode, bei der Timelines geschaffen werden, per Knopfdruck akzeptiert werden müssen. Reist man, erschafft man eine neue Timeline, die man entweder verwerfen oder akzeptieren kann. Akzeptiert man sie, reiht sie sich in die Realität ein. Auch das, dass man Zeitreisen individuell gestalten kann, hat mich sehr an der Idee gereizt, überhaupt mit dem Schreiben anzufangen.

7) In diesem Roman geht es nicht nur um Zeitreisen, sondern auch um Depressionen. Warum hast Du dieses Thema für „Savior Agency“ gewählt? Wie hast Du Dich in dieses Thema eingearbeitet? Und was war für Dich besonders spannend?
Savior Agency ist eine emotionale Geschichte und das wollte ich von vornherein. Ich hätte es auch so wählen können, dass Hektor durch einen Unfall ums Leben kommt oder von jemand anderem ermordet wird, aber das hätte nicht das Gefühl verursacht, dass sich durch die Geschichte ziehen soll. Ich möchte es Josh, dem Retter, schwierig machen, Hektor zu retten, da die Gefahr nicht von außen auf ihn einwirkt, sondern in seinem Kopf und seinem Herzen schlummert. Josh reist am Anfang der Geschichte zurück, um Hektors Tod zu verhindern. Hektor hat sich umgebracht und Josh denkt jetzt, dass es einfach ist, diese Tragödie zu verändern. Er hat schon viele Menschen gerettet, die durch äußere Einflüsse gestorben sind (direkt im ersten Kapitel rettet er ein Kind von Zugschienen), aber noch nie musste er die innere Gefahr beachten, was ihn überfordert. Die Depressionen sind der eigentliche Konflikt der ganzen Geschichte. Eingearbeitet habe ich mich durch Recherche im Internet, dem Wälzen von Büchern und natürlich auch Fragen an meinen Bekanntenkreis und persönliche Erfahrungen. Anhand vieler verschiedener Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen und mir habe ich dann alles verglichen und Hektors Verhalten schließlich zusammengepuzzelt. Das war auch der spannendste Teil, Hektor anhand realer Begebenheiten noch mehr zu verfeinern und seinem Charakter realistische Tiefe zu verleihen. Es war sehr mühselig, aber es hat sich ausgezahlt.

 

8) Gibt es einen Charakter in dem Du Dich wiederfindest? Wer ist es?
Es gibt keinen einzigen Charakter, der mir stark gleicht, dafür erkenne ich in jedem einzelnen Charakter mehrere Einzelheiten, die aus meiner Persönlichkeit entsprungen sein könnten. Genau kann ich das nicht sagen, da ich nie weiß, was sich mein Gehirn dabei gedacht hat, aber vermuten geht immer. Hektor ist Künstler, malt gern auf Leinwand und hängt sich das ganze kleine Haus mit den Bildern voll. Ich male auch gern auf Leinwand und bin allgemein ein großer Fan von Kunst. Vor allem Acrylmalerei hat es mir angetan, aber auch Zeichnungen. Ein bisschen verrückt bin ich auch, wie Hektor. Mit Josh habe ich gemeinsam, dass ich auf zwischenmenschlicher Ebene eine totale Niete bin. Interaktionen mit anderen fallen mir schwer und ich bin ein einsamer Wolf, dem es in großen Menschenmengen nicht behagt. Josh ist da genau wie ich. Dann gibt es da noch Green, meine dritte Hauptfigur. Er spielt zwar (noch) nur eine mittelgroße Rolle, aber er hat denselben Stil wie ich, ihm gefallen dieselben Filme und Spiele, er hört dieselbe Musik und wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor. Seine dummen Sprüche sind auch meine dummen Sprüche. Auf der anderen Seite gibt es bei jedem der aufgezählten Personen auf jede Gemeinsamkeit mit mir mindestens drei Unterschiede, deshalb kann ich keinen Charakter aufzählen, der mir in den meisten Aspekten stark ähnelt und in dem ich mich wiedererkenne.

9) Beschreibe Person Hektor und Josh in je 3 Worten.
Hektor: bunt, liebevoll, Teetrinker
Josh: grau, grimmig, Kaffeetrinker

10) Wenn Hektor Menschen mit Depressionen etwas mit auf den Weg geben könnte, was würde er ihnen sagen?
Hektor würde wahrscheinlich folgende Worte sagen: „Es gibt zu viele Dinge, auf die ich jetzt eingehen könnte. Das Thema ist nicht leicht und so vielfältig, dass ich in nur wenigen Sätzen nicht zusammenfassen kann, was man tun soll, wenn man betroffen ist. Man bekommt immer den Ratschlag zu hören, dass man sich professionelle Hilfe holen soll und so weiter und so fort, aber gerade weil man es immer hört, werde ich das jetzt nicht aufzählen (das heißt aber nicht, dass es nicht wichtig ist!), sondern euch einen Tipp geben, der mir persönlich auch viel gebracht hat, wenn gerade niemand in der Nähe war: belohnt euch. Da mag es Tage geben, an denen man nichts geschafft bekommt, vielleicht nicht aufstehen kann und sich plötzlich so leer fühlt, aber das ist in Ordnung. Wenn ihr einen kleinen Erfolg hattet und zum Beispiel aufgestanden seid, belohnt euch. Tut das, was euch beruhigt, wenn es nicht mehr geht. Das ist bei jedem etwas anderes. Ich male, wenn mich gerade ganz fürchterliche Gedanken heimsuchen, denn das ist meine Art, mich zu beruhigen, aber man kann sich auch einfach mit einer Tasse heißem Kakao beruhigen. Verwöhnt euch, meine Könige und Königinnen da draußen, denn ihr seid es wert. Jeder geht anders damit um. Sucht euren Weg. Das hier ist meiner, zumindest ein Teil davon.“

Was für eine tolle Botschaft zum Ende des Interviews! ❤
Vielen lieben Dank nochmals liebe Sara für deine Zeit und Mühe für dieses Interview. 🙂

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