Wer, wie, was, wo, warum? – Die Nixe fragt Alexander Bálly

Die Nixe fragt Alexander Bálly

Hallo ihr Lieben! 🙂

Im Rahmen des Specials des Papierverzierer Verlags zum Welttag des Buches darf ich euch heute Alexander Bálly vorstellen. Extra für euch hat er sich meinen Fragen gestellt! 😉
Dabei geht es u.a. um seine Bücher, das Genre Fantasykrimi und Rollenspiele… Viel Spaß beim Lesen! 😀

Was war Dein tollstes „buchiges“ Erlebnis?
Äh … das klingt jetzt ein wenig, als würde ich ein weißes Jäckchen tragen. So eines mit extra langen Ärmeln, das man hinten zumacht. Es gibt aber einen Moment beim Schreiben, an dem die Figuren bei mir anfangen, lebendig zu werden. Sie erwachen buchstäblich zum Leben und bekommen eine eigene Stimme. Wenn das passiert, dann weiß ich, dass sie und ihre Geschichte gut werden oder zumindest auf dem richtigen Weg sind.
Ab diesem Zeitpunkt schreiben meine Figuren den größten Teil meiner Bücher selbst und ich muss in meinem Kopfkino nur zuschauen, aufpassen und  mitschreiben.

Hast Du ein Vorbild? Wenn ja, wer und warum?
Das ist eine Frage, die ich schlecht beantworten kann. Ich habe viele Autoren gelesen und mir viel von ihnen abgeschaut. Von Ephraim Kishon, wie man Pointen setzt. Von Joanne K. Rowling die Kunst des Plot-Twist, von Terry Pratchett, stur geradeaus zu denken, wo andere in Gedanken längst abbiegen. Von Lady Agatha und Sir Arthur, wie man Detektivromane schreibt.
Aber ein echtes Vorbild? Das finde ich schwer. John Steinbeck vielleicht. Auch wenn seine Themen und sein Stil sich von meinem stark unterscheiden. Doch man muss ja niemandem Nacheifern, den man bewundert.

Was ist für Dich am schwierigsten im Prozess der Veröffentlichung eines Buches? Und was macht diese Schwierigkeit aus?
Eines fällt mir ein und das ist wirklich schwierig: Ein Exposé zu schreiben.
Das Exposé ist ein knappes Arbeitspapier, in dem ein Autor seine Geschichte komplett vorstellt, mit dem Schauplatz, den Figuren, der Handlung, dem Ende und den ganzen Besonderheiten. Das alles muss auf etwa zwei DinA4 Seiten passen.
Autorinnen und Autoren fällt das sehr oft unheimlich schwer. Man ist viel zu dicht an seiner eigenen Geschichte und soll jetzt ganz plötzlich grob verallgemeinern. Viele verheddern sich in Details. Trotzdem ist das Exposé sehr wichtig. Manch einer schreibt lieber fünf lange Kapitel oder noch mehr als ein kurzes Exposé. Auch ich habe sehr mühsam lernen müssen, wie man sie schreibt und gern mache ich es immer noch nicht.

Gibt es einen Charakter in deinen Büchern in dem Du Dich wiederfindest? Wer ist es?
Ich finde mich zumindest ein Stück weit in allen meinen Figuren wieder. Sie sind (fast) alle lebendig und beziehen ihr Leben natürlich aus mir selbst. So stecke ich mit meiner Lust am Essen und der Bewunderung für Hochstapler natürlich in meiner Halblingsdetektivin Lupina. Doch sie traut sich Sachen, die ich nicht wage.
Ein wenig ist es wie beim Spielen von Handpuppen beim Kasperltheater: Die Hand wird selbstständig. Du musst nicht nachdenken. Die Hand weiß, dass der Seppl ein bisschen begriffsstutzig ist oder der Räuber poltern muss. Der Zauberer ist tückisch, weil es zu seinem Wesen gehört. Man muss auch nicht groß nachdenken, wie sie sprechen. Das wissen die Figuren selbst. So in etwa geht es mir, wenn es gut läuft, mit meinen Figuren beim Schreiben.

Wie bist du auf die Idee gekommen Fantasy und Krimi in deinen Büchern miteinander zu verbinden? Gibt es da ein zentrales Ereignis oder Erlebnis?
Ich lag in der Badewanne und hatte ein Buch dabei, das ich ein paar Tage zuvor auf einem Grabbeltisch gefunden hatte. Ich mochte Krimis und ich mochte Fantasy. Das Buch versprach beides und ich freute mich, ins heiße Wasser und zugleich in eine fremde Welt einzutauchen – und in einen spannenden Mordfall.
Ehe das Wasser kalt geworden war, wusste ich, dass dieses Buch eine bittere Enttäuschung war. Es hatte eine gute Idee so schundmäßig verhunzt, dass es eine Schande war. Damals sagte ich mir: Wenn ich mal Zeit habe, dann schreibe ich selbst ein Buch und mache es besser. Es dauerte ein paar Jahre, aber dann, im Erziehungsurlaub, begann ich selbst einen Fantasykrimi zu schreiben. So entstand die erste Romanfassung von Halbling unter Huren und Halunken.

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Vor kurzem ist „Halbling unter Huren und Halunken“ von Dir im Papierverzierer Verlag erschienen. Was hat Dir beim Schreiben dieses Buches am meisten Spaß gemacht?
Der größte Spaß war natürlich, die Geschichte wachsen zu sehen und allen Ideen in der Geschichte Gestalt und Leben geben zu können. Das gilt insbesondere für den Schauplatz. Ich mag Garbath. Es ist eine komplexe und sehr lebendige Stadt geworden.

Ich habe entdeckt, dass Deine Heldin Lupina unter http://www.lupinasfreun.de/ ihre ganz eigene Seite hat… Leser können dort mehr über die Hintergründe der Welt und sogar Rezepte erfahren. Dort habe ich auch einiges zum Thema Rollenspiele gefunden… Wie viele Rollenspiel-Abenteuer hast Du mit Lupina schon erlebt? Erinnerst Du Dich an ein besonderes Abenteuer?
Das ist schwer zu sagen. Lupina habe ich selbst kaum gespielt. Sie war ursprünglich und unter anderem Namen der Rollenspielcharakter meiner Frau. Zur Romanheldin wurde sie dann im Rahmen einer Umschulungsmaßnahme. Dabei verlor sie aber ein paar Details, die für meine Frau sehr wichtig waren und bekam zugleich neue Facetten hinzu.
Lupina bzw. die Heldin meiner Frau kenne ich aber aus mehr als drei Dutzend Abenteuern.

An zwei besonders bemerkenswerte Abenteuer erinnere ich mich. Das eine war die Suche nach verschwundenen Leichen, das Abenteuer, das ich später zu Lupinas erstem Fall, „Halbling unter Huren und Halunken“, um- und ausgearbeitet habe. Das andere Abenteuer war eigentlich nur eine banale Reise von A nach B. Dabei musste die Party aber ein Floß benutzen. Fünf Helden mit viel Zuversicht und weit weniger Würfelglück gegen die Tücken eines Flusses und die elementaren Gesetze der Physik. Wir brauchten keine Gegner. Es gelang der Party mühelos, sich immer wieder aufs Neue in höchste Lebensgefahr zu bringen. Fast das ganze Spiel verbrachten wir damit, dafür zu sorgen, dass keiner absoff, besonders der Zwerg war dauerbedroht. Es gelang … gerade eben so.

Was bedeutet für Dich Schreiben? Und was bedeuten Rollenspiele für Dich? Gibt es einen Zusammenhang zwischen beidem?
Hmmm. Schreiben ist für mich eines der größten Vergnügen, die ein Mensch erleben kann. Durchaus vergleichbar mit dem Gefühl, sein Kind auf dem Arm zu wiegen oder guten Sex zu erleben. Diese Emotion ist vielleicht weniger schäumend, aber sie hält dafür länger an.  Bei mir zumindest. Beim Schreiben gewinnt meine Fantasie Form und Gestalt und am Ende kann ich sie mit Lesern teilen. Über Zeit und Raum hinweg. Das ist großartig.
Rollenspiele sind Spiel. Gesellschaftsspiel. Die schönste und anspruchsvollste Form von Spiel, die ich mir denken kann. Für das Schreiben ist es außerdem eine tolle Übung und eine Art Versuchslabor. Hier kann man Ideen für Geschichten ausprobieren. Ich habe beim Rollenspiel sehr viel über Plots gelernt. Aber das ist ein vielschichtiges Thema, das ein eigenes Interview wert wäre.

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Woran schreibst Du aktuell? Verrätst Du uns ein wenig über Dein aktuelles Schreibprojekt? 🙂
Zur Zeit entstehen drei Bücher: Das eine ist mein vierter Regionalkrimi aus der bayrischen Provinz. Hier werden ein Metzgermeister im Ruhestand und seine Enkelin auf Mördersuche gehen.
Das andere sind meine Krippengeschichten. Sie kommen als Neuausgabe heraus. Es sind 24 Geschichten rund um den Stall von Bethlehem – oder eine große Weihnachtserzählung, je nach Betrachtungsweise.
Das dritte ist ein Adventskalender aus 24 Kindergedichten, die ich ursprünglich für meine beiden Patenkinder geschrieben habe.
Und dann muss Lupinas zweiter Fall herauskommen und den fünften Fall meines Metzgers muss ich auch noch schreiben.

In welcher Buchwelt würdest Du am liebsten leben und warum?
Oh … welche Frage. Wie soll ich das entscheiden? Lieber mit Jim und Dr. Livsey auf der Schatzinsel Piratengold suchen? Oder mit Fiver, Hazel und Bigwig in den Kaninchenbau auf den Watership-Downs schlüpfen? Ein Bier in Mittelerde im grünen Drachen trinken oder besser in der geflickten Trommel auf der Scheibenwelt?9783608949704

Am ehesten möchte ich wohl Savage-Forest durchstreifen, den wunderbaren Wald voller Wunder und Abenteuer, in dem Merlin dem jungen Artur alles beibringt, was Zivilisation und Humanität ausmacht, indem er ihn verschiedene Tiere sein lässt. Terence Hanbury White schuf mit „Der König auf Camelot“ ein wunderbares, heiteres und zugleich in seiner Tragik zutiefst anrührendes Epos über König Artus und seine Tafelrunde. Das erste Viertel aber ist herausragend – absolut genial. Es ist hinreißend komisch und das mit weitem Abstand Beste, was ich je über Artus gelesen oder gesehen habe.

Wenn Dein Leben einen Filmtitel hätte, wie würde er lauten?
Liebe Sabrina, beste aller Büchernixen, danke für das tolle Interview. Es hat Spaß gemacht. Bitte richte all Deinen Lesern einen netten Gruß aus.

Ach ja. Der Filmtitel für mein Leben? Er ist nicht sehr reißerisch:

„Das Glück des Wortschmieds“

Vielen lieben Dank lieber Alexander Bálly für Deine Zeit und Deine Offenheit bei diesem Interview! ❤ Auch mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Deine Antworten zu lesen! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinen Büchern und aktuellen Projekten und immer eine Muse, die Dich begleitet. 🙂

Rezensionen und Buchvorstellungen zu „Halbling unter Huren und Halunken“:

Claudia von diabooks78

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